Ala-Kul-Wanderung: Unsere Route von Karakol zum Ala-Kul-See bis nach Altyn Arashan

Ala-Kul-Wanderung: Unsere Route von Karakol zum Ala-Kul-See bis nach Altyn Arashan

In diesem Blog teilen wir mit euch unsere Erfahrungen, die wir auf dem Weg zum Ala-Kul-See gesammelt haben. Zeitpunkt der Wanderung ist Ende Juni 2021.

Unser Startpunkt war die Western Bus Station in Bishkek, unmittelbar neben dem berühmten Osh Bazaar. Dort sind alle Minibusse (genannt auch Marschrutka) beschildert und die Fahrer rufen auch ganz oft den Zielort (beispielsweise: Tokmok, Osh oder auch Karakol). Den richtigen Marschrutka gefunden, bezahlt man an den dort sässigen Schaltern die Tickets und steigt ganz einfach beim Fahrer ein. Sobald alle Sitzplätze belegt sind, startet auch schon die Fahrt, die uns zu zweit 700 Som gekostet hat (350 Som p. Person -> ca. 3,50€). Bei uns hat die Fahrt nach Karakol inkl. kleine Panne und einigen unterwegs aussteigenden Passagieren knapp unter sechs Stunden gedauert. Von dort aus war es ein recht kurzer Fußweg von etwa 15 Minuten bis zu dem von uns gebuchten Karakol Karavan Hotel. Ein sehr gutes und sauberes Hotel in zentraler Lage, unmittelbar neben der Dungan-Moschee. Die Zimmer sind sehr sauber und schön, das Personal sehr hilfsbereit, das Frühstück sehr vielfältig und die Küche kann auch rundum von den Gästen benutzt werden. Damit wir auf unserer Wanderung das Gewicht in unseren Rucksäcken reduzieren konnten, lagerten wir einen Teil im Lagerraum des Hotels und begaben uns am nächsten Morgen nach unserem Frühstück auf den Weg.

Tag 1
Wir entschieden uns die Wanderung alleine und ohne Guide, mittels Komoot und Maps.me durchzuführen, also organisierten wir alles selbst. Es ist absolut kein Problem ein Taxi in Kirgisistan zu finden und so konnten wir bereits in wenigen Sekunden ein Taxi anhalten und uns per Handzeichen und Landkarte auf unser Ziel einigen. Für knapp 700 Som (7€) fuhr uns der Taxifahrer zum Anfang unserer Wanderroute.

Der Start unserer Wanderroute began an diesem Punkt.

Viele Wanderer starten diese Wanderung entweder an der „ersten Brücke“ oder lassen sich bis zur „zweiten Brücke“ fahren. Wir wollten keine Landschaft verpassen und alle Eindrücke mitnehmen und so starteten wir noch vor der ersten Brücke. Den ersten Tag sollten wir bis zum geplanten Sirota Yurt Camp insgesamt 20,3km Strecke und 1020m Höhe zurücklegen. Zunächst gab es noch einige kleine Häuser rechts und links und eine für uns befahrbare „Straße“, doch auf dem Weg bis zur zweiten Brücke verschwinden diese recht schnell und auch die Strohmmasten enden recht zügig. Seid euch bitte bewusst, dass ihr während dieser Wanderung kein Mobilfunknetz und Internet nutzen werden könnt, GPS ist glücklicherweise kein Problem – informiert also die Menschen die an euch denken könnten vorab über die Gegebenheiten.

Zunächst sieht die Landschaft so aus. Noch gibt es Strommasten.

Der Wanderweg verläuft bis zur zweiten Brücke entlang des Flusses und ist recht eben. Je nach Wetterlage muss man mal mehr, mal weniger durch Wasser laufen und versucht an diesen Stellen auf den Steinen zu balancieren. Seitlich fließt Wasser aus den Bergen, die genau für diese Gewässer sorgen, jedoch ist auch genau dieses Wasser auch ohne Filter trinkbar. Wir haben unser Wasser immer an den seitlichen Stellen aufgefüllt und fanden das Wasser sehr lecker und hatten keine Probleme oder Beschwerden. Je tiefer man ins Tal kommt, desto schöner wird auch die Landschaft und man will am liebsten an jedem Spot einfach nur sitzen und die Aussicht genießen.

Atemberaubende Landschaften begleiten den Weg bis zur zweiten Brücke.

Die letzten paar hundert Meter vor der zweiten Brücke sind etwas steiler, jedoch nicht weniger schön. Dort ist es keine Seltenheit einen fliegenden Adler zu sehen und vorbei galoppierende Einheimische auf Pferden, auch wenn hier von nur vereinzelten Auftreten gesprochen werden sollte. Angekommen an der zweiten Brücke kann man sich entscheiden direkt ein paar hundert Meter weiter zu übernachten oder noch weitere drei Stunden zu wandern.
Ausgeschildert an der Brücke ist, dass es ein Yurt Camp direkt ein paar hundert Meter weiter gibt und ein weiteres „Sirota Yurt Camp“ knapp 2,5km weiter oben.

Das ist die zweite Brücke. Ab hier wird es deutlich steiler.

Wir entschieden uns bereits im Vorfeld für das Sirota Yurt Camp und wollten die 20,3km schaffen um am anstrengenden Folgetag, eine kürzere Strecke durchlaufen zu müssen.
Nun startete also ein Weg auf der anderen Flusseite und wir sollten uns bis zum Yurt Camp vom Fluss trennen. Dieser Abschnitt beginnt mit einem Wanderweg im Wald und ist deutlich steiler als der vorherige Abschnitt. Danach findet man sich zwischen bauchhohen Gräsern und inmitten von riesigen Berglandschaften klettert man über dem Talabschnitt. Viel zu oft vergisst man nach hinten zu schauen, aber egal wohin man schaut, die Aussicht ist atemberaubend. Noch eine letzte Hürde sind die felsigen Wege auf denen man regelrecht klettern muss um die letzten paar hundert Meter bis zum Sirota Yurt Camp zu durchlaufen.

Ein Blick nach hinten darf nicht fehlen!

Erschöpft und müde angekommen im Sirota Yurt Camp sahen wir dann, dass gar kein Yurt Camp aufgebaut war. Kein Camp für eine Übernachtungsmöglichkeit, kein warmes Essen und keine anderen Menschen. Wir hatten den großen Fehler gemacht und uns auf andere Blogbeiträge verlassen, unser Zelt, Schlafsack und unsere Isomatten im Hotel gelassen, keine zu kochenden Lebensmittel mitgenommen und waren nun auf uns allein gestellt. Zurücklaufen war keine Option mehr, da wir knapp 20km hätten laufen müssen und es gleich dunkel werden würde. Weitergehen war auch nicht möglich, da wir zu erschöpft waren und es so unmöglich gewesen wäre, den Ala-Kul Bergsee zu besteigen.
Zu unserem Glück gab es aber eine kleine Einrichtung, quasi eine Hütte mit einem Dach und drei Wänden, in der wir die Nacht verbringen konnten. Also sammelten wir direkt Holz, bevor es dunkel wurde und legten unser erstes Feuer direkt in dieser Hütte. Doch die Nacht auf der Höhe ist bei Temperaturen etwas über 0 Grad recht kühl und so konnten wir die Nacht nur am Feuer sitzend und schlaflos verbringen.

Wir haben es geschafft, das Feuer ca. 10 Stunden brennen zu lassen.

Tag 2:
Kurz nach der Morgendämmerung füllten wir unsere Flaschen mit kaltem Wasser aus den benachbarten Wasserquellen und machten uns auf den Weg. Der anstrengendste Tag mit 16km sollte uns noch bevorstehen. Vom „Sirota Yurt Camp“ bis zum Ala-Kul See waren es zwar nur weniger Kilometer, doch diese hatten es in sich. Extreme Steigungen, rutschige Böden, runterfallendes Gestein und das alles direkt entlang des eiskalten Wassers oder steilen Abhängen. Ein Ausrutscher oder ein falscher Schritt hätten hier sehr böse Folgen und so untermale ich es an dieser Stelle, dass man sich diesen Gefahren 100% bewusst sein muss.

Tag 2: Diesen Weg legt man Richtung Gipfel zurück.

Nun waren wir an einem Punkt, wo wir den „Wasserfall“ und große Schneeflächen direkt vor unserer Nase hatten und hinter uns schienen die ersten Sonnenscheine direkt in die auf unserer Augenhöhe gelegenen Berge, was für eine Aussicht.
Da wir recht schlaflos und müde waren, machten wir direkt gegenüber vom Wasserfall ein kleines Nickerchen und genossen die Sonne, hörten dem Wasser zu tankten etwas Energie.

Der Wasserfall sieht nicht nur toll aus, sondern lässt sich auch so toll anhören.

Anschließend bündelten wir unsere Energiereserven und kletterten förmlich weiter zum Gipfel und erreichten dann auch den Ala-Kul See auf knappen 3550m. Der wundervolle See scheint förmlich zwischen den von Schnee bedeckten Bergen und stellt eine atemberaubende Kulisse dar. Innerhalb von 15 Minuten haben wir dort Sonnenschein, Regen und Hagel erlebt, die meiste Zeit blieb es aber recht trocken dort.

Was für eine magische Kulisse!

Bis zum Aussichtspunkt auf ca. 3900m Höhe mussten wir also noch weitere zwei Kilometer lang hochsteigen, die es auch wirklich in sich hatten. Hier konnte man aber zumindest teilweise einen „Weg“ erkennen und musste nur an einigen Stellen auch mit den Händen greifend nach Unterstützung suchen. Angekommen an der Spitze konnte man den kompletten Ala-Kul Bergsee nochmals genießen, ehe man einen Abhang runterlaufen musste. Trotz unserer Wanderung gegen Ende von Juni, war der Abhang aber komplett mit Schnee bedeckt, etwa 30-40 cm würde ich schätzen und wir mussten den kompletten Berg runterrutschen um anschließend ein kleines Stück vorsichtig runterzulaufen.

Diesen Pass mussten wir runter rutschen.

Erst unten haben wir gesehen, dass es auch oberhalb der Schneeflächen einige herausragende Steine gab, die wir glücklicherweise ohne Verletzungen passiert hatten. Hier sollte man wirklich sehr vorsichtig sein, da man beim rutschen ein enormes Tempo erreicht und nur schwer stoppen kann. Wir hatten an vielen Stellen und Situationen einfach nur Anfängerglück, so auch hier. Relativ heil unten angekommen waren wir aber ziemlich durchnässt. Hier ist Wechselkleidung sehr wichtig und kann euch vor Kälte schützen. Ab hier mussten wir noch weitere knapp 12km laufen, um in Altyn Arashan anzukommen.

Viele Kilometer in Richtung Altyn Arashan sehen so aus.

Ziemlich müde und erschöpft waren es für uns ziemlich lange 12km, die glücklicherweise nur noch bergab verliefen. Der Boden ist jedoch so uneben, dass man die Strecke kaum in einem schnellen Tempo zurücklegen kann. Nach einigen Kilometern muss man die Seite in der man läuft wechseln und eine Wasserstelle überqueren, aber ansonsten ist die Strecke recht simpel. Man läuft quasi zwischen zwei Bergen parallel zum Fluss. Begleitet wird man zudem von vielen Pferden und Nutztieren. Die letzten Kilometer kurz vor Altyn Arashan verändert sich die Landschaft nochmal etwas und die Anzahl der Pferde nimmt bemerkbar zu. Schöne grüne Landschaften mit Yurten und Pferden und das typische Bild von Kirgisistan wird hier nochmal deutlich.

Weiter in Richtung Altyn Arashan.

Einige schöne kleine Brücken müssen noch überquert werden ehe man das Dorf in Altyn Arashan ins Blickfeld kriegt. Wir kamen erst kurz nach 20.00 Uhr dort an und suchten uns ein Gasthaus aus. Dort sollte man keinen Luxus erwarten, da es dort weder Strom noch warmes Wasser gibt, jedoch haben wir ein sauberes Zimmer und ein bequemes Bett gefunden und konnten auch zu später Stunde noch eine warme Mahlzeit genießen. Nach so einer langen Strecke hat diese warme Mahlzeit unheimlich gut getan und schlechter wurde es dann auch nicht mehr. Direkt nach unserer warmen Mahlzeit begaben wir uns in eine natürliche, heiße Quelle und konnten uns ordentlich entspannen. Die Nacht war auch sehr angenehm und wir konnten in Ruhe schlafen. Verlangt wurden von uns für das Gasthaus mit heißer Quelle inklusive Abendessen und Frühstück 2500 Som (25€), welches wir mit einem netten Satz auf 2000 Som runterhandeln konnten.

Ein Foto aus Altyn Arashan.

Am Folgetag und somit unserem dritten Tag, genossen wir noch ein wenig die Natur in Altyn Arashan ehe wir uns mit einem sehr speziellen Fahrzeug auf unserer persönlich holprigsten Fahrt in Richtung Karakol begaben. Entlang und durch Aksuu fuhren wir knappe zwei Stunden nach Karakol und mussten uns die ganze Fahrt lang anspannen und festhalten, dass wir nicht gegeneinander knallen. Die Fahrzeuge fahren wirklich auf extremen Straßen und die Fahrt vergisst man nicht so schnell. Diese Fahrt kostet insgesamt 4000 Som (40€) unabhängig davon, wie viele Personen man im Fahrzeug hat. Wer möchte, kann von aber auch von Altyn Arashan nach Aksuu knappe 18km wandern und auch dort noch eine weitere Nacht verbringen und dann erst nach Karakol fahren. Wir hatten aber nicht mehr viele Tage und wollten in Karakol ankommen.

So sah unser Fahrzeug aus, mit dem wir die holprigen Straßen meistern konnten.

Für uns war diese Wanderroute unser Honeymoon-Highlight und wir als Anfänger mussten auch hier und da an unser Limit gehen, damit wir diese Wanderroute schaffen konnten. Der Weg und das Gefühl alleine in der Natur zu sein hat uns als Paar noch enger zusammengeschweißt und wir möchten diese Erfahrung nicht mehr missen. Dennoch würde ich den Wanderweg unter „schwer“ kategorisieren und nicht blind jedem weiterempfehlen. Man sollte sich die nötige Leistung aber vielmehr auch die potenziellen Gefahren vor Augen führen und für sich selbst entscheiden, ob man dazu bereit ist.

Geschafft! So genossen wir den Blick auf den Ala-Kul Bergsee



Alle obigen Fotos wurden mit dem Google Pixel 5 geschossen.

Im Folgenden möchten wir auch noch ein paar Tipps geben, die euch vielleicht weiterhelfen können:

  • Erkundigt euch im Vorfeld im Destination Karakol über das Wetter, die Schneelage, die Route und über die Yurt Camps, ob diese bereits aufgebaut sind und ob man somit auf ein eigenes Zelt verzichten kann.
  • Falls möglich, haltet euch bereits 1-2 Tage vorher auf hohen Stellen auf um eure Akklimatisierung zu optimieren.
  • Versucht euren Rucksack so leicht wie möglich zu machen, lasst wirklich unnötiges Equipment lieber im Hotel und nehmt nur das nötigste mit.
  • Zieht euch ein festes und stabiles Schuhwerk an, ihr werdet es nicht bereuen.
  • Nehmt unbedingt Thermofunktionswäsche und eine Regenjacke mit, da diese euch bei den extremen Wetterbedingungen retten können.
  • Packt euch kleine Snacks und Energielieferanten ein und
  • Trinkwasser gibt es genug auf dem Weg, seid nur vorsichtig bei der Auswahl eurer Wasserquellen und nehmt seitliche fließende Gewässer für die Befüllung eures Vorrats.
  • Nutzt zwar Apps wie Maps.me oder Komoot aber verlasst euch nicht zu 100% darauf, denn die Wege können leicht variieren und abweichen. Auf der Wanderroute gibt es viele gestapelte Steine die euch den Weg zeigen, versucht diese im Auge zu behalten.
  • Seid euch im klaren, dass ihr von Karakol bis Karakol keinen Internetempfang haben werdet. Informiert am besten eure Familie & Freunde im Vorfeld darüber.
  • Vergesst nicht auch nach hinten zu schauen und die Aussicht zu genießen.
  • Macht das beste draus: Egal was kommt, versucht das beste aus der Situation zu machen und jeden Moment zu genießen.

Nun folgen noch ein paar Fotos, die wir unterwegs mit der Kamera schießen konnten.

Leave A Comment

Archiv